FSSC 22000 Version 4.1

Nachdem die Foundation for Food Safety Certification im Dezember 2016 Version 4 des internationalen Standards für Lebensmittelsicherheit FSSC 22000 veröffentlichte, folgte im Juli 2017 die Version 4.1. Sie berücksichtigt aktuelle Entwicklungen und Feedback aus der Industrie, die nach der Publikation der Version 4 entstanden sind.

Die neue Version hat sich zum Ziel gesetzt, die von der GFSI anerkannte Norm strenger und konsistenter zu gestalten und zwar in erster Linie durch die Einführung unangekündigter Audits sowie eine Fokussierung auf die Prävention von Lebensmittelbetrug. Die nachfolgenden Informationen zeigen die neuen und geänderten Anforderungen und soll Ihnen den Übergang zur neuen Version 4.1 bzw. die erstmalige Zertifizierung nach FSSC 22000 erleichtern. 

Vollständige Informationen können Sie auf der offiziellen FSSC 22000 Webseite herunterladen.

Erweiterung des Anwendungsbereichs

Der Scope des FSSC 22000 Zertifizierungsprogramms wurde in Version 4.1 zur Abdeckung der folgenden Bereiche erweitert:

  • Transport und Lagerung – basierend auf der NEN NTA 8059:2016
  • Lebensmittelservice/Catering – basierend auf der ISO/TS 22002-2:2016
  • Einzelhandel/Großhandel – basierend auf der PAS 221:2013

Zusätzliche Anforderungen

Paragraph 2.1.4 der Requirements for Certification beschreibt die zusätzlichen Anforderungen der neuen Version. Sämtliche Leistungen, auf die sich der Punkt Management of services bezieht, müssen mindestens die Betriebsmittel, den Transport, die Wartung sowie ausgelagerte Aktivitäten beinhalten. Darüber hinaus müssen Unternehmen nachweisen, dass ein qualifiziertes Labor jegliche Analysen durchführt, die für die Verifizierung der Lebensmittelsicherheit kritisch sind. 

Außerdem beinhaltet die neue Version weitere detaillierte Anforderungen an das Allergenmanagement im Rahmen eines dokumentierten Verfahrens. Die größte Entwicklung in diesem Abschnitt der Norm besteht im Lebensmittelschutz und der Prävention von Lebensmittelbetrug.

Lebensmittelschutz und Prävention von Lebensmittelbetrug

Die Definition des Lebensmittelschutzes lautet frei übersetzt: "Der Prozess, Lebensmittel- und Tierfutter-Lieferketten vor allen Formen vorsätzlichen Betrugs zu schützen, sei er ideologisch oder verhaltensmotiviert, die die Gesundheit des Verbrauchers gefährden können."

Demgegenüber lautet die Definition der Prävention von Lebensmittelbetrug: "Der Prozess, Lebensmittel- und Tierfutter-Lieferketten vor allen Formen wirtschaftlich motivierten vorsätzlichen Betrugs zu schützen, der die Gesundheit gefährden kann."  

Zertifizierte Organisationen müssen ein dokumentiertes Verfahren für die Bewertung von möglichen Bedrohungen des Lebensmittelschutzes etablieren und die Anfälligkeit ihrer Produkte für potenzielle Sabotageakte, z.B. durch verärgerte Mitarbeiter, Vandalismus oder Terrorismus, beurteilen; ebenso muss eine separate Vulnerabilitätsbewertung erfolgen, die die Anfälligkeit für potenzielle Fälle von Lebensmittelbetrug untersucht. 

In einem detaillierten Artikel hebt Dr. John Spink von der Michigan State University (MSU) Food Fraud Initiative hervor, dass „dies das erste Mal ist, dass die Prävention von Lebensmittelbetrug in einem Konzept klar definiert worden ist.“ 

Nach beiden Bewertungen ist ein präventiver Maßnahmenplan umzusetzen, der die Gesundheit der Verbraucher schützt und mit der geltenden Gesetzgebung übereinstimmt. Die Nonprofit-Organisation SSAFE hat ein kostenloses Tool für die Vulnerabilitätsbewertung entwickelt, das Lebensmittelunternehmen unabhängig der Größe oder Standort helfen soll, Schwachstellen zu analysieren und entsprechende Pläne zur Risikominderung zu entwickeln.

Einhaltung der FSMA-Anforderungen

Die FSSC vergleicht die Version 4.1 mit den Anforderungen des Food Safety Modernization Act (FSMA, US-amerikanisches Gesetz zur Gewährleistung der Sicherheit von Lebensmitteln). Erste Hinweise sprechen dafür, dass FSSC mit den Preventive Controls for Human Food übereinstimmt.

FSSC hat die TAG (The Acheson Group) gebeten, den Standard mit den FSMA-Vorschriften bezüglich präventiver Lebensmittelkontrollen (FSMA PC Rule) zu vergleichen. 

Der TAG-Bericht schließt, dass der risikobasierte Ansatz und die Detailtiefe von FSSC 22000 Unternehmen auf dem Weg zu einem proaktiven Management der Lebensmittelsicherheit unterstützen, der Standard in einigen Fällen gar ausführlicher bzw. strenger ist als die FSMA PC Rule, beispielsweise durch die stärkere Detaillierung bzw. Klarheit hinsichtlich der Erwartungen, oder durch die Forderung nach einer engeren Umsetzung der Anforderungen. 

Bezüglich des Lebensmittelschutzes sei der „Umfang des Standards umfassender als die FSMA-Bestimmung zur vorsätzlichen Fälschung“, so Dr. Spink von der MSU, und er fügt hinzu, dass „unter Umständen ein separater oder modifizierter Lebensmittelschutzplan für eine FSMA-IA-Compliance erforderlich sein kann.“

Der FSSC 22000 Version 4.1 Auditprozess

Durchführung unangekündigter Audits

Unangekündigte Audits sind bereits Bestandteil anderer von der GFSI anerkannter Standards wie z.B. IFS oder BRC. Im Fall der FSSC 22000 Version 4.1 ist es jedoch zwingend vorgeschrieben, dass mindestens eins der beiden Überwachungsaudits unangekündigt durchgeführt wird. Die Zertifizierungsstelle legt dabei fest, welcher Termin betroffen ist, wobei auf Wunsch des zertifizierten Unternehmens auch beide Audits unangekündigt durchgeführt werden können. 

Das unangekündigte Audit kann jederzeit während den Betriebszeiten stattfinden und beginnt mit einer Inspektion der Produktionsanlagen. Der Prüfer verbringt mindestens eine halbe Stunde im Produktionsbereich und bewertet die Implementierung der geltenden CCP (Critical Control Points), PRP (Prerequisite Programmes) und OPRP (Operational Prerequisite Programmes).

Kritische Abweichungen 

Mit der Kritischen Abweichung (Critical Nonconformity) wurde ein neuer Grad der Abweichung eingeführt, der als Umstand, in dem während des Audits eine direkte Beeinträchtigung der Lebensmittelsicherheit ohne geeignete Gegenmaßnahme durch die Organisation beobachtet wird, oder der die Legalität bzw. die Integrität der Zertifizierung bedroht definiert ist.  Die Feststellung einer kritischen Abweichung führt unmittelbar zu Suspendierung des betroffenen Standorts. Eine Folgeprüfung wird innerhalb von 6 Monaten durchgeführt, um die Behebung der Abweichung zu überprüfen. Sollte sie in diesem Zeitraum nicht behoben worden sein, wird das Zertifikat entzogen. Die Umsetzung von identifizierten Verbesserungsmöglichkeiten ist nicht mehr gestattet.

Computergestützte Audittechniken (CAAT) 

CAAT können für Befragungen von Personen sowie die Überprüfung von Richtlinien, Verfahren oder Datensätzen verwendet werden, ersetzen jedoch keine physischen Assessments von Produkten und Standorten. Der Auditor muss genau angeben, welche CAAT-Techniken für welche Funktionen verwendet wurden und wie sich diese auf die Ergebnisse im Auditbericht beziehen. 

Standardisierter Auditbericht

FSSC 22000 beinhaltet eine standardisierte Vorlage zur Erstellung des Auditberichts (Annex IVA). 

Rotation der Auditoren 

Eine Rotation der Auditoren ist vorgeschrieben, d. h. Auditoren dürfen die gleiche Organisation nicht länger als zwei 3-jährige Zertifizierungszyklen auditieren.

Tierfutter 

Für die Version 4.1 wird PAS 222, das PRP für Tierfutter, durch ISO/TS 22002-6:2016 ersetzt. PAS 222 darf nach dem 1. Januar 2018 nicht mehr verwendet werden.